„Denim“ und „Jeans“ sind keine Synonyme mit gemeinsamer Wurzel — sie stammen aus zwei verschiedenen Städten und bezeichneten ursprünglich zwei verschiedene Stoffe. Das eine Wort kommt aus Frankreich, das andere aus Italien. Dass sie heute dasselbe Kleidungsstück beschreiben, ist ein historischer Zufall.
Denim ← Nîmes
Die gängige Herleitung: Denim geht auf „serge de Nîmes“ zurück, den Serge-Stoff aus der südfranzösischen Stadt Nîmes. Aus de Nîmes wurde im Englischen denim.
Was dabei fast immer unterschlagen wird: Die Serge aus Nîmes war nach dem, was Textilhistoriker über die dortige Produktion wissen, kein reiner Baumwollstoff, sondern ein Woll- beziehungsweise Mischgewebe. Der Name ist gewandert, der Stoff nicht. Der heutige Denim ist ein anderes Material als das, was in Nîmes hergestellt wurde.
Die Herleitung ist deshalb sprachlich gut belegt, sachlich aber keine Produktgeschichte. Wer sagt „Denim kommt aus Nîmes“, meint korrekt das Wort — nicht das Gewebe.
Jeans ← Genua
Jeans hat eine eigene Herkunft: die italienische Hafenstadt Genua, französisch Gênes. Der dort verarbeitete blaue Baumwollköper hieß bleu de Gênes — blau aus Genua. Aus Gênes wurde im Englischen jean, dann jeans.
Aus diesem Stoff wurden unter anderem Hosen für Seeleute gefertigt. Robust, günstig, blau — und damit inhaltlich näher an der heutigen Jeans als die Serge aus Nîmes.
Wie beide Wörter zusammenfanden
Im 19. Jahrhundert bezeichneten jean und denim in amerikanischen Katalogen noch unterschiedliche Qualitäten. Durchgesetzt hat sich am Ende eine schlichte Arbeitsteilung, die bis heute gilt:
- Denim = der Stoff. Ein Köpergewebe aus Baumwolle mit indigogefärbter Kette und roher Schussfäden — der Grund für die helle Innenseite.
- Jeans = das Kleidungsstück aus diesem Stoff. Ursprünglich nur die Hose, heute auch Jacke, Rock oder Kleid.
Im Deutschen ist die Trennung unschärfer: „Jeansstoff“ und „Denim“ werden meist gleichbedeutend benutzt, und „eine Jeans“ kann Hose wie Stoff meinen. Sauber ist es nicht, aber es hat sich eingebürgert.
Was Denim technisch ausmacht
Unabhängig vom Namen ist Denim durch drei Eigenschaften definiert:
- Köperbindung — der Schussfaden läuft versetzt unter mehreren Kettfäden hindurch. Daraus entsteht der charakteristische Diagonalgrat auf der Oberfläche. Bei den meisten Jeans läuft er von links unten nach rechts oben.
- Gefärbte Kette, rohe Schussfäden — außen blau, innen hell.
- Hohes Flächengewicht — üblich sind 10 bis 14 Unzen pro Quadratyard; alles darüber gilt als schwerer Denim. Details unter Denim als Meterware.
Ein Stoff, der diese drei Punkte erfüllt, ist Denim — egal, wo er gewebt wurde. Ein bedruckter Baumwollstoff in Blau ist es nicht.
Häufige Fragen
Woher kommt das Wort Denim? Von „serge de Nîmes“, dem Serge-Stoff aus Nîmes in Südfrankreich.
Woher kommt das Wort Jeans? Von „bleu de Gênes“ — blau aus Genua. Zwei verschiedene Städte, zwei verschiedene Wörter.
War der Stoff aus Nîmes schon Denim? Sprachlich ja, sachlich nein: Die dortige Serge war ein Woll- oder Mischgewebe, kein reiner Baumwollstoff.
Was ist der Unterschied zwischen Denim und Jeans? Denim ist der Stoff, Jeans das Kleidungsstück daraus.
Woran erkennt man echten Denim? Am Diagonalgrat der Köperbindung und an der hellen Innenseite.
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