Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist der einzige verbreitete Textilstandard, der Faseranbau, chemische Verarbeitung und Arbeitsbedingungen zusammen regelt. Genau das macht ihn für Jeans relevant: Bei einer Hose entsteht ein großer Teil der Belastung nach dem Feld, in Färberei und Wäscherei.
Die zwei Kennzeichnungsstufen
Wichtig beim Einkauf, weil beide Stufen dasselbe Logo tragen:
- „organic“ — mindestens 95 Prozent zertifizierte Bio-Fasern.
- „made with organic“ — mindestens 70 Prozent zertifizierte Bio-Fasern.
Bei Jeans ist das praktisch bedeutsam, weil Stretch-Anteile den Bio-Anteil senken. Eine Hose mit spürbarem Elasthan-Anteil landet eher in der 70-Prozent-Stufe als in der 95-Prozent-Stufe.
Was auf der Chemieseite gilt
GOTS schließt über 90 Prozent der konventionell eingesetzten Textilchemikalien aus — darunter krebserzeugende Azofarbstoffe, Schwermetalle und Formaldehyd. Für Jeans ist das der entscheidende Teil des Standards, weil Färbung und Ausrüstung genau hier stattfinden.
Ebenfalls geregelt sind Abwasserbehandlung und Verfahren in der Nassveredelung — also der Bereich, in dem das Sandstrahlen angesiedelt war.
Die Sozialkriterien
GOTS enthält verbindliche Sozialkriterien auf Grundlage der ILO-Kernarbeitsnormen. Mit der aktuellen Fassung (Version 7.0) kamen zwei Punkte dazu, die über den üblichen Rahmen hinausgehen:
- Die ILO-Konvention C190 gegen Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt.
- Die Pflicht zertifizierter Betriebe, einen Plan zur Erreichung existenzsichernder Löhne zu entwickeln — nicht nur des gesetzlichen Mindestlohns.
Zudem wurden die Vorgaben für Arbeitssicherheit an ILO-Empfehlungen angeglichen.
Wo die Grenzen liegen
Drei Einschränkungen, die zu einer ehrlichen Einordnung gehören:
- Ein Siegel ist so gut wie seine Kontrolle. Es wurden gefälschte Rohbaumwoll-Zertifikate aufgedeckt; GOTS schloss daraufhin elf Unternehmen aus und prüft eingehende Zertifikate seither selbst. Aufgefallen ist der Betrug durch das System — aber er ist passiert.
- GOTS deckt die Nutzungsphase nicht ab. Wie oft du wäschst und wie lange du die Hose trägst, ist der größere Hebel — und liegt außerhalb jedes Siegels.
- Das Angebot ist begrenzt. Bio-Baumwolle stellt unter ein Prozent der Welternte; entsprechend klein ist die Auswahl an zertifizierten Jeans, besonders bei bestimmten Schnitten.
Wie du ein Siegel überprüfst
GOTS-Zertifikate sind auf Betriebsebene öffentlich einsehbar — nicht das Etikett ist der Beleg, sondern der zertifizierte Betrieb dahinter. Eine Marke, die auf Nachfrage keine Zertifikatsnummer nennen kann, hat das Siegel im Zweifel nur aufgedruckt.
Für die Arbeitsbedingungen auf Markenebene gibt es ein zweites, unabhängiges Werkzeug: die öffentlich veröffentlichten Prüfberichte der Fair Wear Foundation — beschrieben unter Marken prüfen.
Häufige Fragen
Was bedeutet GOTS? Global Organic Textile Standard — ein Standard für Bio-Fasern, der zusätzlich Chemie, Abwasser und Arbeitsbedingungen regelt.
Was ist der Unterschied zwischen „organic“ und „made with organic“? 95 Prozent gegenüber 70 Prozent zertifizierter Bio-Fasern — bei gleichem Logo.
Was verbietet GOTS? Über 90 Prozent der konventionellen Textilchemikalien, darunter Azofarbstoffe, Schwermetalle und Formaldehyd.
Enthält GOTS Sozialkriterien? Ja, auf Basis der ILO-Kernarbeitsnormen, inklusive Konvention C190 und einem Plan für existenzsichernde Löhne.
Kann man ein GOTS-Zertifikat überprüfen? Ja, Zertifikate sind betriebsbezogen öffentlich einsehbar. Eine Marke sollte die Nummer nennen können.
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